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Was das Geschlechtsleben aller Tiere von dem des Menschen grundlegend unterscheidet, ist, daß jenes ausschließlich der Fortpflanzung dient, dies aber vornehmlich dem Lustgewinn und der Sublimierung. Während bei den Tieren der Sexualtrieb wesentlich zur Brunstzeit auftritt und dann fast stets zur Befruchtung führt, kann ihn beim Menschen nur pharisäische Heuchelei mit dem Trieb nach Fortpflanzung identifizieren. Es genügt der Hinweis, wie selten die Geschlechter sich mit dem Vorsatz vereinen, ein Kind zu zeugen, ja, daß man in den meisten Fällen diese unerwünschte Möglichkeit mit allen Kniffen und Vorsichten zu hintertreiben trachtet. Bestimmend ist da fast einzig das Streben nach Vergnügen. Das geschlechtliche Empfinden beginnt auch nicht erst in der Pubertät, sondern schon in der Kindheit, und hört auch im höheren Alter nicht auf, selbst wenn die Fähigkeit, Samen zu erzeugen oder Gliedsteifung, längst schon geschwunden. Endlich ist auch der Sexualakt selber gar nicht mehr an die Brunstzeit gebunden, sondern kann jederzeit ausgeübt werden. Und zwar nicht bloß darum, weil sich der Mensch im allgemeinen durch technischen Fortschritt von der Nahrungssorge freigemacht hat, sondern, was noch wichtiger, weil sein Geschlechtstrieb viel stärker, differenzierter und vielfältiger ist als bei irgendeinem Tiere. Man kann sogar sagen: er ist beim Kulturmenschen der Gegenwart ganz unersättlich geworden und zu immer neuer Befriedigung drängend. Er spannt die sämtlichen Geisteskräfte in den Dienst der Libido, und, da er um so viel komplizierter ist als bei den Tieren, hebt er stets wieder von neuem an, in wechselnder Form und mit Verdichtung aller Befriedigungsmöglichkeiten.
Für die folgenden Betrachtungen dünkt mich ersprießlich, das sinnliche Verlangen, i. e. die Libido, einzuteilen in die genitale und extragenitale Was ich oben von der Unersättlichkeit der menschlichen Libido ausführte, gilt minder von der an die eigentlichen Geschlechtsteile gebundenen als von