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Bei der Analyse unserer Patienten sind wir dahin gelangt, den unbewußten Teil des Über-Ichs, das Verlangen nach Strafe, als den verantwortlichsten Faktor für die Verdrängung und für den Widerstand zu betrachten; schließlich auch als Haupthindernis der Herstellung des Patienten oder seiner Anpassung oder Wiederanpassung an das Leben. Es verdichtet sich der Eindruck, daß das Individuum nicht in das Kompromiß eines neurotischen Charakters oder neurotischer Symptome gezwungen worden wäre, wenn die Es-Antriebe durch etwas weniger Starres, weniger Strenges, Anpassungsfähigeres und doch weniger Phantastisches als das Über-Ich hätten kontrolliert werden können. Diesem Kompromiß gelingt es gewöhnlich, das Schlechteste von beiden Seiten zu bekommen, d. h. weder die Triebwünsche zu befriedigen noch die ihnen widerstrebenden Ansprüche auf eine moralische Selbsthilfe des gequälten Patienten, der ein ewiger Spielball zwischen Ormuzd und Ahriman bleibt, wie sich ein Patient selbst mir gegenüber bezeichnet hat.
Die genaue Entstehung des Über-Ichs ist mit der uns jetzt beschäftigenden Frage nicht eng verbunden. Es wird genügen, auf die Auffassung seines Aufbaues, die von Ernest Jones1 weitergeführt wurde, hinzuweisen, daß nämlich die harten und engherzigen Seiten des Über-Ichs von einer Verschmelzung der libidinösen und der Ichtriebe herrühren. „Ein Teil des Hasses schmilzt mit den Libidoimpulsen zusammen und verstärkt dabei ihren sadistischen Charakter.“ (Ein Teil des Hasses schmilzt mit den Libidoimpulsen zusammen und verstärkt dabei ihren sadistischen Charakter., S. 260.) Jones vermutet, daß „möglicherweise das Geheimnis der Desexualisierung der Libidoimpulse, vielleicht auch deren vorhergehende Regression auf die anal-sadistische Stufe, in dem Einfluß der Haßimpulse (Ichtriebe im allgemeinen) auf sie gefunden werden wird“ (S. 259).
Im Ringen mit seelischen Funktionen, deren Strenge nicht oder