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In seiner Arbeit „Einige Fälle von Zwangsneurose“ hat Ernest Jones viel mehr als Kasuistik gegeben. Er hat die vielfache Wurzel in der infantilen Triebkonstitution der Kranken für jeden Partialtrieb gesondert gezeigt; so erkennt man, daß jedes Symptom nicht nur im Längsschnitt der Krankheitsentwicklung vielfach determiniert ist, sondern auch im Querschnitte aus der Verdrängung mehrerer Triebkomponenten überdeterminiert ist.
Dasselbe gilt auch von dem, vermutlich häufigsten, Zwangssymptom, welches den Gegenstand dieser Mitteilung darstellt. Bevor ich daher die — wie ich meine — tiefste und wesentlichste Bedeutung des Straßenpflasterzwanges hervorhebe, will ich die vielen anderen Erklärungen und Determinierungen desselben kurz mitteilen. Manche dieser Begründungen sind Rationalisierungen im Sinne der von Jones zuerst eingeführten Bedeutung des Wortes. Es sei bei dieser Gelegenheit darauf hingewiesen, daß das deutsche Wort „Rationalisierung“ in der wissenschaftlich-praktischen Literatur eine andere Bedeutung hat als im Sinne der Jones'schen Bezeichnung. Es bedeutet die Anwendung rationeller Gesichtspunkte und Überlegungen, wo vorher gedankenlos oder rein instinktiv vorgegangen wurde. „Rationalisation im Sinne Jones' bedeutet aber die bewußte und für ausreichend gehaltene subjektive Begründung, neben der und unterhalb welcher die unbewußten Determinanten verborgen bleiben, ohne überhaupt als mangelnd bemerkt zu werden.
Es ist interessant, daß die Jones'schen „Rationalisationen“ nicht reine, verständige und vernünftige Motivierungen zu sein brauchen, sondern selbst noch unbewußte, aber weniger tief verdrängte Motive enthalten können. So sind die individualpsychologischen Erklärungen zum guten Teile Rationalisierungen, die nur zum Teile rationale sind, zum größeren Teile neurotische Kompromißreaktionen gegenüber den verdrängten Motiven als