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Das Problem des Strafbedürfnisses führt uns zu den merkwürdigsten Seiten des menschlichen Seelenlebens. Es führt uns zu jenen für eine rationalistische Psychologie unverständlichen Handlungen, die den handelnden Menschen selbst schädigen, ihm Schmerz und Unlust zufügen, eine deutliche selbstzerstörende Absicht verraten. Diese Handlungen erscheinen dem gewöhnlichen Denken paradox, weil man aus Selbsterkenntnis und aus der Beobachtung von anderen gewohnt ist, anzunehmen, daß die Handlungen im allgemeinen ausgeführt werden, um Unlust zu vermeiden oder um Lust zu gewinnen. Handlungen und auch andere seelische Äußerungen mit der manifesten Absicht, um Leid aufzusuchen, erscheinen widerspruchsvoll zu diesem allgemeinen Prinzip. Die Untersuchung solcher Vorgänge, die dem Lustprinzip nicht oder nicht ausschließlich unterworfen sind, führten Freud zur Annahme eines Triebes, der in der Richtung des Todes wirksam ist, dessen Ziel die Zerstörung ist. Nach seiner Auffassung ist es von sekundärer Bedeutung, ob dieser Trieb sadistisch nach außen auf das Zerstören von fremdem Leben oder masochistisch nach innen gegen das eigene Selbst gerichtet ist; es handelt sich immer um denselben Trieb.
Freud spricht dem Trieb nach Selbstzerstörung, dem Todestrieb, eine primäre Bedeutung zu und leitet die Destruktion nach außen von diesem primären Todestrieb ab. Andere Forscher, wie z. B. Jones1 und Reich,2 meinen hingegen, die selbstzerstörenden Äußerungen der Menschen von der Nach-innen-Wendung des ursprünglich nach außen gerichteten Destruktionstriebes ableiten zu können: den Masochismus aus dem Sadismus und nicht umgekehrt. Diese zweite Auffassung verzichtet auf den Begriff des Todestriebes und begnügt sich mit der Annahme eines