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Motto: Der Mensch fürchtet den Tod wie das Kind sich fürchtet, ins Dunkel zu gehen.
Wenn wir die Äußerungsformen der Furcht vor dem Tode psychologisch untersuchen und den verschiedenen Verzweigungen, die diese weitverbreitete Form der Angst aufweist, ein sorgfältiges Studium widmen, so finden wir, daß sie gemeinsame Züge zeigen, die darauf hinweisen, daß ihr Ursprung in eines der frühesten Stadien menschlicher Entwicklung zu verlegen ist.
Eines der auffälligsten Phänomene dieser Furcht ist es, daß man sie häufig bei Menschen findet, für die keine unmittelbare oder ihnen bekannte Bedrohung ihres Lebens vorhanden ist, ja auch dort, wo die körperliche Gesundheit nichts zu wünschen übrig läßt; beruhigende Äußerungen, ärztliche Gutachten mildern diese Angst nur für allerkürzeste Zeit. Wir dürfen also unterscheiden zwischen der Furcht, die infolge einer wirklichen Lebensgefahr entsteht, und dem Angstgefühl, das von einer realen Verursachung unabhängig ist. Nur das letztere interessiert uns hier. Wir wollen versuchen, zu erklären, warum es so verbreitet ist und so schädliche Folgen hervorbringt. Die Sublimierung dieser Furcht ist die Grundlage aller medizinischen Wissenschaft, die wesentlich davon ausging, Gewalt über den Tod zu gewinnen und das Leben zu verlängern. Diese Form der Todesangst kann bei außerordentlich verschiedenen Menschentypen gefunden werden und bei beiden Geschlechtern. Sie ist allen Altersstufen gemeinsam, aber tritt unter bestimmten Umständen und in bestimmten Epochen stärker hervor. Sie ist beim neurotisch disponierten Kinde viel häufiger, als man gemeinhin annimmt, weil sich diese Kinder gerade
über dies Thema infolge seiner Beziehung zu Schuld und Sünde nur