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Meine Erfahrungen bei mehreren Fällen von Zwangsneurose bewogen mich, die Aufmerksamkeit auf einen für den Aufbau dieser Krankheit wichtigen äußeren Faktor zu lenken. Dieser akzidentell auftretende oder dauernd wirkende äußere Faktor steht mit der individuellen Entwicklung des Über-Ichs in enger Beziehung und liefert daher zugleich einen Beitrag zur Kenntnis der Psychogenese dieser seelischen Instanz.
In einem Falle von schwerer Zwangsneurose litt der Patient besonders unter zwanghaften Selbstbeschuldigungen; er klagte sich objektiv ganz unmöglicher Handlungen an, von denen er bei klarerem Bewußtsein auch wußte, daß er sie nicht begangen hat; er hätte — phantasierte — Säuglinge von der Brücke ins Wasser, in Kanalöffnungen, in das Klosett geworfen oder Feuer angelegt; den Vater hätte er durch Verabreichung einer Injektion getötet; mit der Mutter koitiert. Er konnte nichts unternehmen, ohne danach vom Zweifel befallen zu werden, ob er auch moralisch richtig gehandelt hätte.
Dem in Bekanntenkreisen hochgeschätzten Vater war der Patient in großer Liebe und Verehrung zugetan; es bedurfte der Überwindung starker Widerstände, bis er einige kompromittierende Handlungen des Vaters in der Analyse enthüllen konnte. Einer solchen Handlung wegen hatte der Vater, als der Patient vier Jahre alt war, aus dem Militärdienst austreten und sich nach einer neuen Position umsehen müssen. Unmittelbare Erinnerung hat der Patient an dieses, für die Familie zweifellos bedeutungsvolle Ereignis nicht; die Erinnerung, als kränkliches Kind mit dem damals noch rüstigen Vater in einem Jodwasser-Badeort gewesen zu sein, erwies sich in der Analyse als Deckerinnerung. Hinter