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Es ist in der Praxis nicht gar so häufig, daß eine zu Ende durchgeführte Traumanalyse plötzliches Licht wirft auf die Zusammenhänge eines ganzen Krankheitsfalles. Es ist deshalb vielleicht erlaubt, hier ein Beispiel hiefür zu erzählen.
Die Träumerin ist ein 29 jähriges Mädchen, das wegen Homosexualität und Frigidität die Behandlung aufsuchte. Sie hat eine schwere Kindheit bei schwer
neurotischen Eltern durchgemacht und hat sich dann mit zirka 20 Jahren vom Elternhaus losgesagt; sie zog in eine fremde Stadt, brach jede Verbindung mit dem Elternhaus ab und begann ein neues Leben. Die unbewußte Fixierung an die Ängste ihrer Kinderzeit verrieten sich aber noch in schweren Störungen ihres Gefühlslebens, denn ihre Frigidität beschränkte sich nicht auf das sexuelle Gebiet, sondern alle ihre differenzierten Gefühlsbeziehungen zu anderen Menschen waren ständig von dem Ende durch plötzliches Erkalten bedroht. Erst nach längerer Zeit der Analyse gestand die Patientin den wahren bewußten Kernpunkt dieser Ängste ein: Der Vater, ein schwer leidender Mann hatte die Patientin in ihrem 12. bis 15. Lebensjahre wiederholt nachts im Bette besucht, ihre Hand an seinen Penis geführt und sich so von der Tochter onanieren lassen. Einige Deckerinnerungen sprechen dafür, daß er Ähnliches auch schon im 5. oder 6. Lebensjahre der Patientin getan hat. Die Patientin selbst erinnerte sich dieser Nächte nur mit Angst und Grauen, sie hat sich dabei stets schlafend gestellt; sie kann nicht glauben, daß sie selbst dabei sexuell erregt gewesen wäre, obwohl manches Detail dafür spricht; nicht nur, daß sie den Vater nie verraten hat und dazu besonders geeignete Gelegenheiten unbenutzt hatte verstreichen lassen, sondern daß ihre heutigen Liebesbedingungen nur zum Teil die Form hatten: Es darf nichts so sein, wie es beim Vater war (das war die Formel ihrer Homosexualität), zum anderen Teil aber die Form: Es muß alles genau so sein, wie es beim Vater war. Zur Zeit des Traumes war die Patientin mit einem j