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Die Analysandin, eine jung verheiratete Frau, hatte eine längere Periode des Widerstandes durchgemacht, in welcher die Andeutung auf das Thema der Enuresis gehäuft aufgetreten war, ohne daß eine Klarheit gewonnen wurde. Im Verlaufe einer analytischen Stunde tauchten sukzessive Erinnerungen auf, die sich an die bis dahin vergessene Schlafzimmereinteilung vor einem Hausumbau knüpften, der in das vierte oder fünfte Lebensjahr der Analysandin fiel. Sie erinnerte zuerst die Verhältnisse nach dem Umbau, wo sie Wand an Wand mit dem um zweieinhalb Jahre jüngeren Bruder geschlafen und sich mit ihm durch Klopfen verständigt hatte. Dann tauchte die Erinnerung auf, daß sie vor dem Hausumbau in einem Zimmer mit dem Bruder geschlafen hatte, wie sie nun wußte, mit ihm zusammen in einem Doppelbett. Nun vermochte sie sich zu entsinnen, daß der Bruder manchmal das Bett naßgemacht habe, und weiter, daß sie sich darüber bei der Mutter beklagte. Auch das Abnehmen der benäßten Bettücher wurde ihr wieder gegenwärtig.
Ich muß hinzufügen, daß die Analysandin als hervorstechendsten Zug einen stark entwickelten Kastrationskomplex und Penisneid besaß. Sie hatte sich z. B. immer nur dann ganz wohl gefühlt, wenn sie Hosen tragen durfte, und suchte auch jede Gelegenheit dazu auf, wie Reiten, Bergtouren, Skilaufen und Kostümfeste.
Ich hatte sofort die Vermutung, daß ihre Reaktion gegen die Enuresis des Bruders eine Auswirkung ihres gegen ihn gerichteten Penisneides war. Sie konnte so zum Ausdruck bringen, daß er ein inferiores, schmutziges Wesen sei, das trotz des Gliedes, das er vor ihr voraus hatte, nicht einmal seine Urinentleerung beherrschen konnte. Diese Vermutung deutete ich am Schlusse der Stunde an, ohne darauf näher einzugehen.
Am nächsten Tage begann die Analysandin die Stunde mit der zögernden Mitteilung, daß sie am Abend vorher einen Streit mit ihrem Mann gehabt habe, an dem sie ausschließlich schuld gewesen sei. Sie war in bester Stimmung nach Hause gekommen, ihre Laune war aber sofort