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Meine Damen und Herren!
Höchstwahrscheinlich wird mancher von Ihnen nach Anhören meines Vortrages den Eindruck gewinnen, ich hätte ihm ungebührlich den Titel „Fortschritte der Technik“ gegeben, sein Inhalt verdiente eher die Einschätzung als Rückschritt oder Reaktion. Aber dieser Eindruck wird hoffentlich bald vor der Überlegung weichen, daß auch die Rückkehr zu einer älteren, unverdient vernachlässigten Tradition die Wahrheit fördern kann; und ich meine wirklich, daß es in solchen Fällen nicht allzu paradox ist, die Betonung das Alten als wissenschaftlichen Fortschritt hinzustellen. Freuds psychoanalytische Forschungen umfassen ein ungeheueres Gebiet, außer dem individuellen Seelenleben auch die Massenpsychologie, die Kulturgeschichte der Menschheit, ja, neuerdings erstrecken sie sich auch auf die letztmöglichen Vorstellungen über Leben und Tod. Auf dem Wege der Entwicklung einer bescheidenen psychotherapeutischen Arbeitsmethode zu einer vollwertigen Psychologie und Weltanschauung mußte sich der Entdecker bald auf dieses, bald auf jenes Territorium der Forschung konzentrieren und alles andere vorläufig beiseite schieben. Solche Vernachlässigung früherer Einsichten bedeutet natürlich durchaus nicht das Aufgeben oder den Widerruf derselben. Wir Schüler aber haben die Neigung, den gerade geäußerten Worten des Meisters allzu wörtlich zu folgen, die letztgefundene Wahrheit für die einzige zu proklamieren und so gelegentlich in die Irre zu gehen.