You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Meine Damen und Herren!
Wenn uns in der Analyse der Männlichkeitskomplex der Frau früher bekannt wurde als die aus den Entwicklungskämpfen hervorgehende „Weiblichkeit, so kommt das aus der Summation mehrerer Motive. Vor allem kennt die Analyse die menschliche Seele in ihren Kämpfen und nicht in ihren Harmonien, und im Gesichtsfelde unserer seelenmikroskopischen Beobachtung tritt uns beim Weibe als Hauptquelle ihrer Konflikte die zur Überwindung bestimmte Männlichkeit besonders plastisch hervor. Diese Tatsache hat zur Folge, daß wir das „Männliche“ im Weibe früher und deutlicher erkannten als das, was wir gewissermaßen den Kern der „Weiblichkeit“ bezeichnen könnten.
Wie paradox es auch klingen mag, traten wir dieser „Weiblichkeit“ mit größerem Interesse entgegen, wenn sie als pathologisches Gebilde, als Fremdkörper, unsere Aufmerksamkeit auf sich lenkte. So ist nun die feminine, also passiv-masochistische Triebeinstellung beim Manne als Ausdruck des Störenden in ihrem Ursprung wie auch in ihren für den Mann so verhängnisvollen Folgen gut bekannt. Beim Weibe wiederum konnten wir feststellen, daß sogar in den weiblichsten Äußerungsformen ihres Lebens: in der Menstruation, im Kind-Empfangen-Verwahren-Gebären, die Frau noch immer mit den nie überwundenen Zeugen ihrer Bisexualität zu kämpfen hat. So versuchte ich in meinen früheren Arbeiten1 nachzuweisen, mit welcher elementaren Kraft der Männlichkeitskomplex in den weiblichen Fortpflanzungsfunktionen aufflackert, um immer von neuem überwunden zu werden.