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Wenn wir die Geschichte der Organneurosen studieren, so können wir feststellen, daß, je näher wir der Gegenwart kommen, die psychische Seite dieser Erkrankungen mehr und mehr in den Vordergrund rückt. Leube hatte noch 1879 die „Nervöse Dyspepsie“ (der Ausdruck stammt von ihm) aus einer Überempfindlichkeit der Magennerven erklärt. Für Ewald () waren die Organerscheinungen nur mehr ein Symptomenkomplex, hinter dem eine Hysterie oder Neurasthenie stand. Einen großen Schritt vorwärts in der Erkenntnis der Beziehungen zwischen Psyche und Körper bedeutete die Arbeit Freuds über „Die Abwehr-Neuropsychosen“ (), in der er ausführt, daß bei der Hysterie „unverträgliche Vorstellungen“ von der Seele unschädlich gemacht werden „dadurch, daß deren Erregungssumme ins Körperliche umgesetzt wird, wofür ich den Namen der Konversion vorschlagen möchte“. In Leipzig förderte Strümpell () den Gedanken einer „psychogenen Dyspepsie“. Auch die Franzosen, so Déjérine, der von „faux gastropathes“ sprach, hoben die psychische Verfassung der Kranken als das Wesentliche hervor. Dreyfus, der 1908 an der Heidelberger Medizinischen Klinik eine Arbeit über „Nervöse Dyspepsie“ schrieb, betonte die Rolle der Psychopathie, Zyklothymie (worauf Wilmanns-Heidelberg als erster hingewiesen hatte), Hysterie usw. Auf dem Kongreß für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (Berlin ) stellte von Weizsäcker der Klinik die Aufgabe, die „Beziehung sinnvollen Ausdrucks“ der Organsymptome zum Vitalkonflikt zu erforschen. Im folgenden wollen wir versuchen, die „Organsprache“, ein der Psychoanalyse seit langem geläufiger Ausdruck, in einem Fall von Magenneurose zu verstehen.
Es handelt sich um eine zwanzigjährige Kontoristin, ein asthenisches, etwas anämisches Mädchen, das seit dem Sommer des vorigen Jahres magenleidend ist. Bei der Aufnahme stehen im Vordergrunde Anfälle, die von der Pat. selbst als „Erstickungsanfälle“ bezeichnet werden, wobei sie das Bewußtsein verliere. In diesen Zuständen, die nur im Bett auftrete