You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Die Sublimierung ist eines der Schicksale, die ein Trieb auf eine innere oder äußere Versagung hin erfahren kann. Während die Schicksale „Wendung gegen die eigene Person“ und „Verkehrung ins Gegenteil“ in der Abhandlung „Triebe und Triebschicksale“, das Schicksal „Verdrängung“ in einer eigenen Abhandlung von Freud ausführlich gewürdigt sind, hat das Schicksal „Sublimierung“ eine einheitliche Darstellung durch Freud nicht erfahren. Bernfeld hat in seiner Studie „Bemerkungen über Sublimierung“ (Imago VIII, 1924) versucht, einige der Unstimmigkeiten, die sich bei einer Kompilation der in den Freud schen Schriften dislozierten Aussagen über die Sublimierung ergeben, zu kritisieren, bzw. zu lösen. Die vorliegende Arbeit begnügt sich damit, auf die zwei wichtigsten Punkte der Bernfeld schen Kritik einzugehen und sie auf Grund der neueren Formulierungen Freuds unstichhaltig zu machen.
Der erste Punkt, den Bernfeld beanstandet, ist die Begriffsbestimmung der Sublimierung, wie sie bei Freud aufgefunden wird. Bernfeld hält für bedenklich, daß in der Begriffbestimmung der Sublimierung ein kultureller oder sozialer Wertfaktor wirksam ist. Wenn wir eine der frühesten Definitionen Freuds, etwa die aus den Vorlesungen „Über Psychoanalyse“ (1909), uns vor Augen führen, so unterliegt es keinem Zweifel, daß in ihr der kulturelle Wertfaktor eine entscheidende Rolle spielt: „Wir kennen einen weit zweckmäßigeren Vorgang der Entwicklung, die sogenannte Sublimierung, durch welchen die Energie infantiler Wunschregungen nicht abgesperrt wird, sondern verwertbar bleibt, indem den einzelnen Regungen statt des unbrauchbaren ein höheres, eventuell nicht mehr sexuelles Ziel gesetzt wird.“ (Ges. Schr., Bd. VI., 404.) Das „Höher“-Sein des Zieles gilt darin gewissermaßen als Kriterium dafür,