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Das Problem der Unreife des Ich ist zweifach gegliedert; es handelt sich in ihm sowohl um die Unreife der Außenwelt gegenüber, die in der Kindheit ja sicher besteht, als auch um die Unreife der inneren oder psychischen Welt gegenüber, die aber nicht von vornherein als so ausgemacht gilt. Ein Vorfall aus der Analyse eines kleinen, zweidreiviertel-jährigen Patienten wird meine Ansicht illustrieren. Beim Betreten meines Zimmers bückte sich der Kleine, nachdem er zwei Schritte über die Türschwelle gemacht hatte, wies auf Flecke am Boden und machte wie zufällig eine Bemerkung darüber. Dieser scheinbar so einfachen Handlung lag eine Folge verwickelter seelischer Vorgänge zugrunde, was aber durch den raschen und fließenden Ablauf der Handlung verhüllt wurde. Im Bruchteil einer Sekunde hatte er nämlich nasse Flecken wahrgenommen, die ein anderes Kind auf der gegenüberliegenden Seite des Zimmers hinterlassen hatte; er hatte es für gut befunden, sie nicht zu bemerken, er wünschte seine und meine Aufmerksamkeit von ihnen abzulenken und doch auch seine Neugier durch ihre Betrachtung zu befriedigen. Er hatte sofort, und scheinbar ohne zu suchen, schon länger bestehende Flecken in der Nähe des Ortes, wo er stand, gewählt, die fast so wie die nassen „gefährlichen“ Flecken waren. Doch wurde dieser komplizierte Prozeß mit einer Schnelligkeit und Akkuratesse und mit einer solchen Selbstverständlichkeit und Ausgeglichenheit ausgeführt, daß ein Erwachsener den Jungen darum hätte beneiden können. Er benahm sich mit dem Takt eines erfahrenen Weltmannes trotz seiner zweidreiviertel Jahre; hier zeigte sich eine geistige Beweglichkeit, der eine ebensolche auf körperlichem Gebiet entsprach, die sich ja auch schon im Existenzkampf vor vielen tausend Jahren so viel wertvoller erwies als körperliche Größe und Stärke.