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Wenn ich Ihnen einen Überblick über den jetzigen Stand der psychiatrischen Schizophrenieforschung zu entwerfen versuche, so möchte ich zur Rechtfertigung einer solchen Orientierungsfahrt in das der Psychoanalyse benachbarte Gebiet der Psychiatrie Freuds Vergleich aus den „Vorlesungen“ anführen, daß die Psychoanalyse sich zur Psychiatrie verhalte etwa wie die Histologie zur Anatomie. So nah verschwisterte Wissensgebiete dürfen einander nicht aus dem Auge verlieren. Besonders auf dem Gebiet der Schizophrenieforschung sind Psychiatrie und Psychoanalyse auf eine gewisse Zusammenarbeit angewiesen. Wenn der Psychoanalytiker in das rätselhafte Dunkel der schizophrenen Einzelfälle das Senkblei seiner individualisierenden Forschungsmethode hinabläßt, so überblickt der Psychiater mehr das Oberflächenrelief der gesamten Krankheitsverläufe, er sucht die Deskriptionen derselben mit anatomischen und physiologischen Forschungsergebnissen zu verknüpfen, erbbiologische, statistische Vergleichsmöglichkeiten auszuwerten.
Ich will zu Beginn meines Referats die Auffassungen der Psychiater darstellen, die die Schizophrenieforschung auf eine biologisch-pathogenetische Grundlage stellen, ausgehend von dem Lehrsatz Griesingers: „Geisteskrankheiten sind Gehirnkrankheiten.“ Ich will aber im weiteren Verlauf auch die Bemühungen der Forscher wiederzugeben versuchen, die, mehr oder weniger beeinflußt von der Psychoanalyse oder auch im offenen Widerspruch gegen sie, das Schizophrenieproblem als ein wenigstens teilweise psychologisches anschauen.