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Goldstein sieht in der Angst ein biologisches Urphänomen. Angst ist nach ihm der Ausdruck für die Gefährdung des Organismus. „… Die Angst tritt nur dann auf, wenn die Verwirklichung von der ‚Wesenheit‘ eines Organismus entsprechenden Aufgaben unmöglich geworden ist.“ So treffend diese Feststellung ist, sie ist zu allgemein, um einen brauchbaren Ausgangspunkt für die Diskussion des Angstproblems zu geben. Goldstein legt
großen Wert auf die Unterscheidung, daß Angst nicht als Angst vor der Situation aufgefaßt werden darf, sondern als zugehörig zu der Situation. „Die Angst ist als ein an sich zu der Störung der Ökonomie zugehöriges Phänomen zu betrachten, als die erlebnismäßige Seite der Erschütterung, nicht die Folge derselben.“ Eine mit Einschränkungen -wieder richtige Feststellung, aus der aber Goldstein die unhaltbare Folgerung zieht, daß dann die Zurückführung der späteren Angst auf frühkindliche Angstsituationen überflüssig ist. Denn wenn die Angst aus der Situation der Erschütterung spontan entspringt, so brauchte man zu ihrer Erklärung die früheren Erlebnisse nicht heranzuziehen. Nur ist eben das Charakteristische für die neurotische Angst, daß sie aus der Situation allein nicht zu erklären ist.
Aber Goldstein gibt es selbst zu, daß es nicht zu bestreiten ist, „… daß durchgemachte Angsterlebnisse für das Auftreten späterer Angstzustände von Bedeutung werden und zur Verstärkung späterer Angstzustände führen können …“ Wozu dann aber die scharfe Kritik der Freud schen Anschauung? Das ist ja das Grundlegende und gegen jede bisherige Psychologie der Angst Neue in der Freud schen Theorie, daß sie gezeigt hat, wie frühere überwältigte Gefahrsituationen immer wieder Angsterlebnisse determinieren. Das ist eine durch die Psychoanalyse tausendfach erhärtete empirische Tatsache und nur diese Erkenntnis ermöglicht die Angst zu beeinflussen, zu schwächen. Und darauf kommt es an, während die Diskussion darüber, ob die Angst ein Urphänomen sei oder erst bei der Geburt „erlern