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Ein Versuch, die neue Trieblehre auf die Neurosenlehre in größerem Umfang anzuwenden als es bisher geschehen ist, der nicht geglückt erscheint, weil er zu viel mit Abstraktionen und viel zu wenig mit Details klinischer Erfahrung arbeitet. — Die alte Trieblehre, die Ichtriebe und Sexualtriebe einander gegenüberstellte, versuchte mit dieser Gegenüberstellung den psychischen Kampf, der sich bei der Verdrängung abspielt, widerzuspiegeln. Die Erfahrungen des Narzißmus machten es aber notwendig, diese Trieblehre aufzugeben und bei der Verdrängung nur psychische Instanzen (Bw — Ubw, Ich — Es) im Kampfe zu sehen, nicht Triebqualitäten. Wenn die neue Trieblehre auch große Vorteile hat, so doch keinesfalls den, daß das Verdrängte einzig einer Triebart, das Verdrängende der andern zugeschrieben werden könnte. Freud sagt ausdrücklich das Gegenteil und jede Überlegung beweist es. Und doch versucht Coriat gerade diese absurde Behauptung aufzustellen: In Konsequenz der heuristisch offenbar nicht sehr wertvollen Idee, in den Neurosen vor allem eine Triebentmischung und ein Hervortreten des Todestriebes zu sehen, und in der Analyse einen Versuch, die beiden Triebarten wieder zu mischen, kommt er zum Resultat: „Das Ich ist gleichbedeutend mit dem Todestrieb, die Libido mit dem Lebenstrieb. Beim Gesunden befindet sich der Kampf zwischen beiden in einem Gleichgewichtszustand. In der Neurose ist eine Entmischung der beiden Triebarten vorhanden und es gibt einen Konflikt zwischen der Ichorganisation und der Libidoorganisation. (Sic.) Jede Neurose ist deshalb ein Konflikt zwischen den beiden Triebarten. Überhaupt ist die vereinfachende Gleichsetzung offenbar eine Vorliebe Coriats, der er auf Kosten der Exaktheit nachgibt. Z. B.: „In der Analyse entspricht die Ödipussituation dem Lebenstrieb im Sinne der originalen libidinösen Bindung an die Mutter, während dagegen der Kastrationskomplex identisch ist mit dem Todestrieb.“ Aber zur Ödipussituation gehört doch auch der Haß gegen den