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Die psychoanalytische Forschung ist in der Lage, zur Charakterlehre grundsätzlich neue Gesichtspunkte und von diesen Gesichtspunkten her, neue Ergebnisse zu liefern; dazu ist sie durch drei Eigenschaften befähigt:
durch ihre Lehre von den unbewußten Mechanismen,
durch ihre historische Betrachtungsweise, und
durch die Erfassung der Dynamik und Oekonomik des psychischen Geschehens.
Indem sie von den Erscheinungen zu deren Wesen und Entwicklung vordringt und die Prozesse der „Tiefenpersönlichkeit“ im Querschnitt und Längsschnitt erfaßt, legt sie automatisch den Weg frei zum Ideal der Charakterforschung, zu einer „Genetischen Typenlehre“, die uns nicht nur das naturwissenschaftliche Verständnis menschlicher Reaktionsweisen, sondern auch deren spezifische Entwicklungsgeschichte nahebringen könnte. Das Verdienst allein, die Charakterforschung aus dem Bereich der sogenannten Geisteswissenschaft im Sinne von Klages in das der naturwissenschaftlichen Psychologie herüberzutragen, wäre nicht zu unterschätzen.
Die klinische Erforschung dieses Gebietes ist aber nicht einfach, und es bedarf zunächst einer Klärung des zu untersuchenden Tatbestandes.
Die Psychoanalyse hat ja von vornherein bei der Untersuchung des Charakters ihrem Wesen entsprechende neue Wege eingeschlagen. Freuds1 erste Entdeckung, daß sich bestimmte Charaktereigenschaften historisch