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Wir Anstaltsärzte sind immer wieder erstaunt darüber, wie häufig von Angehörigen von Kranken die Frage erwogen und das Ansinnen an uns gestellt wird, ob es nicht möglich wäre, einen armen bemitleidenswerten Patienten mit einem „Pülverli“ sanft zu erlösen, mit anderen Worten, wie wenig verdrängt die Beseitigungswünsche gegenüber unbequemen Familiengliedern sind, und wie rasch man bereit wäre, uns Ärzte zu Komplizen und Erfüllern solcher Wünsche anzustellen. Ebensooft begegnet man dem Bestreben, den Kranken mit unsinnigen Haufen von Süßigkeiten und anderen Eßwaren zu beschenken, mit denen er sich zum mindesten jedesmal den Magen verdirbt, und man geht wohl nicht fehl, wenn man darin eine mangelhaft gelungene Kompensation jener Beseitigungstendenzen mittels einer oralen Gabe erblickt.
Wohl noch häufiger als diese Neigungen bei den Angehörigen, können wir bei unseren Kranken die Angst beobachten, vergiftet zu werden, sei es von ihren Leuten, sei es von Fremden, sei es von Pflegern oder Ärzten. Entsprechende Sinnestäuschungen und Wahnideen und damit im Zusammenhang stehende Schutz- und Abwehrhandlungen, wie Nahrungsverweigerung, Ausspucken oder Fortwerfen des Essens, begegnen uns täglich auf unseren Visiten.
Der Giftmörder verwirklicht das, wozu uns jene Angehörigen gelegentlich anstiften möchten. Sehen wir zu, ob aus dem Versuch, das Verbrechen und die wahnhafte Angst davor einander gegenüber zu stellen, sich irgend eine Einsicht gewinnen läßt in dunkle Gebiete des menschlichen Zusammenlebens.
Ein 27 jähriger, durch Alkoholismus und Geisteskrankheit schwer belasteter, debiler Schlosser, Walter H., suchte seinen Vater, einen rohen Schnapstrinker, der ihn als siebenjährigen Knaben wegen Bettnässens mehrmals