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Wie alle Individualpsychologen, grenzt sich Künkel offen von der kausalen, naturwissenschaftlichen Psychologie ab. Er steht auf dem Boden einer teleologischen, von religiösen Vorstellungen stark durchsetzten Weltanschauung, was sich schon darin ausdrückt, daß er jedem Kapitel eine „Regel“ anfügt, im wesentlichen moralische Vorschriften für das praktische Handeln, die er aus seinen psychologischen Erkenntnissen ableiten zu können glaubt.
Der Autor gliedert sein Buch in vier Abschnitte. Im ersten setzt er die Grundbegriffe der individualpsychologischen Charakterologie auseinander, die drei anderen beschäftigen sich mit Erziehung, Selbsterziehung und Heilung. Der Charakter wird nach der individualpsychologischen Auffassung rein final durch das „Leitbild“ bestimmt, d. h. durch das Festhalten an irgend einer narzißtisch betonten Zielvorstellung, wie etwa, „ein Mussolini sein“ u. dgl. „Das Ziel der Charakterforschung läßt sich demnach formulieren als die Feststellung des im Menschen wirksamen Leitbildes, und das Ziel der Charakterbeeinflussung stellt sich nunmehr dar als die Veränderung derjenigen Leitbilder, die sich als unbrauchbar erweisen“ (S. 23). Das „Leitbild“ ist immer etwas Einheitliches, auch wenn Ambivalenz der hervorstechendste Zug eines Menschen