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Die Absicht der Dresdner Tagung, die Errungenschaften unserer Wissenschaft vor einem Publikum von psychoanalytischen Laien darzulegen, ist vollauf gelungen. Das ist in erster Linie dem Vorsitzenden und dem Sekretär der Tagung — Max Eitingon und Felix Boehm — zu verdanken, die ein Programm zusammenbrachten, das wissenschaftlich keine Konzessionen machte und das doch in dieser würdigen Form ein lernbereites Publikum vom Anfang bis Ende fesselte und überzeugte.
In diesem Sinne begrüßte Eitingon (Berlin) die Teilnehmer: immer wieder tauche der Vorwurf der Einseitigkeit gegen Freud und seine Schüler auf; aber der Forderung an die Psychoanalyse nach Neuorientierung, die heute in erster Linie aus der geisteswissenschaftlichen Atmosphäre des an den Hochschulen Mode gewordenen psychologisch-medizinischen Betriebs stamme, halte unsere Wissenschaft mit ruhigem Gewissen ihre seit Anbeginn konsequent eingehaltene Methodik entgegen, die von jeher beherrscht sei vom Grundgedanken einer Gesamtschau der Person. Wir haben bisher keine Ursache gehabt, jenen Vorschlägen nachzukommen. Dagegen vermögen wir festzustellen, daß die übrige Wissenschaft sich immer mehr den psychoanalytischen Grundanschauungen nähert.
13 wissenschaftliche und 4 populäre Vorträge entwarfen ein reiches, wenn auch nicht lückenloses Bild vom Stande der psychoanalytischen Wissenschaft.
Der erste Vormittag war der theoretischen Grundlegung vorbehalten. Seine Aufgabe, den Hörern die Bedeutung des Ödipuskomplexes darzulegen, löste er vollkommen. Besonders eindrucksvoll war der Auftakt durch den Vortrag von Felix Boehm (Berlin), „Zur Geschichte des Ödipuskomplexes“, der diesen so oft mißverstandenen seelischen Inhalt aus einem reichen und neuen Zusammenhang heraus entwickelte. Er wies seine Vorstufen in der Ethnologie und Mythologie nach und ließ den Ödipuskomplex, wie ihn die griechische Ödipussage darstellt, auf diesem Hintergrund als den für unsere Kultur gültigen Sonderfall erscheinen.
Otto Fenichel (Berlin) greift an