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Zunächst wollen wir unser Problem „Psychoanalyse und Medizin“ schärfer präzisieren, als es der angekündigte Titel vermag. Man kann entweder untersuchen, welche Beziehungen zwischen der Psychoanalyse und der Medizin den theoretischen Voraussetzungen nach bestehen sollten, oder man kann die tatsächlich vorhandenen Beziehungen feststellen. Ich ziehe es vor, mich in der Hauptsache auf die Beantwortung der zweiten Frage zu beschränken, und will es Ihnen überlassen, auf Grund meiner Erörterung der zwischen Psychoanalyse und Medizin wirklich bestehenden Beziehungen die Antwort auf die erste Frage zu finden, wie die Beziehung zwischen den beiden Wissenschaften sein sollte.
Bevor ich auf Einzelheiten eingehe, schulde ich Ihnen eine Erklärung, warum die ganze Frage nach der Beziehung zwischen Psychoanalyse und Medizin überhaupt ein Problem ist. Etwa dreißig Jahre lang hat die Psychoanalyse als konsequent und geschlossen sich entwickelnde Theorie der Persönlichkeit und als genau und präzise beschriebene Methode der psychologischen Untersuchung und Behandlung geistiger Störungen eine seltsam isolierte Existenz an der Grenze zwischen Medizin und Naturwissenschaften geführt. Dieser Zwischenzustand resultierte jedoch keineswegs allein aus der exklusiven Haltung der medizinischen Welt gegenüber der Psychoanalyse, sondern auch die Psychoanalytiker selbst waren unentschieden, wohin sie gehören. Tatsächlich fragen viele Analytiker, ob die Psychoanalyse nicht als Disziplin für sich betrachtet werden sollte, mit der Medizin verwandt, aber im Wesen unabhängig von ihr; so wie die Archäologie mit der Geschichte verwandt, aber doch eine selbständige Wissenschaft für sich ist, oder wie die Paläontologie andere Methoden und Zwecke verfolgt als die ihr nahestehende