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Ich weiß genau, daß es meinem Vortrag nicht gelingen kann, Sie alle zu überzeugen. Wenn man heute für die Annahme der Todestriebhypothese eintritt, steht man noch auf schwankendem Boden.
Wie sicher fühlen wir uns bereits, wenn wir vom Sexualtrieb und den Partialtrieben sprechen. Da ist es uns geläufig und klar, daß der Trieb „ein Grenzbegriff zwischen Seelischem und Somatischem“ ist, und daß wir darunter „die psychische Repräsentanz der aus dem Körperinnern in die Seele gelangenden Reize“ verstehen. Wir wissen einiges von den Quellen, dem Ablauf und den Schicksalen dieser Triebe.
Ganz anders bei dem Begriff „Todestrieb“. Sofort taucht die Frage auf: Wo finden wir die Quelle des Todestriebes? Wollten wir dem Todestrieb den allgemeinen Begriff des „Lebenstriebes“ gegenüberstellen, dann würden wir für den Lebenstrieb auch keine andere Quelle feststellen können als den biologischen Lebenslauf der Zelle. Ob ein Drang zum Leben ursprünglich besteht oder nicht, läßt sich psychologisch nicht ergründen. Aber das erscheint uns „einfühlbar“. Das Leben erscheint uns so spannungsvoll, so drängend, seine Richtung auf Organisierung immer größerer Einheiten so einleuchtend, daß wir dem Leben gerne einen Triebcharakter zuerkennen möchten.
Aber nicht allein Freud hatte — als Konsequenz seiner dynamischen Auffassung — die Frage aufgeworfen, ob die uns so drängend, wie er sagt, „lärmend“ erscheinenden Lebensäußerungen aus einem einheitlichen Triebablauf hervorgehen, oder ob sie die Wirkung zweier aufeinander stoßender Kräfte sind, bzw. wie es Ehrenberg ausdrückt, „eine Zwiefältigkeit, deren aktuelles Sein die Einswerdung ist“. Physiologische und