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Die kleine Lisa war zwei Jahre vier Monate alt, als sie nach einer bis dahin normal verlaufenen Entwicklung an schweren Angsterscheinungen erkrankte. Die Angst trat am Abend auf, wenn das Kind ins Bett niedergelegt werden sollte, und wurde so stark, daß das Kind nach vielen Stunden Weinens nur mit Hilfe von Schlaf- und Beruhigungsmitteln zum Einschlafen gebracht werden konnte. Mehrere Nächte hindurch stand es angstvoll und vor Erregung zitternd in der Ecke des Bettes, immer nur die gleichen Worte wiederholend, „Nein, Mama, nein“, womit sie die Mutter bewegen wollte, nicht von ihrem Bette zu weichen. Fiel sie dann mit Hilfe der Schlafmittel doch in Schlaf, so geschah dies im Sitzen mit geballten Fäustchen und einem verkrampften Gesichtsausdruck. In dieser für ein schlafendes Kind ganz ungewöhnlichen Stellung fand man sie dann am Morgen. Die Kissen, die man ihr in der Hoffnung ins Bett legte, sie würde im Schlaf doch umfallen, blieben unberührt. Im Verlauf der nächsten Zeit wurde es dann deutlich, daß die eigentliche Angst des Kindes das Liegen betraf. Sie wollte nicht einschlafen, weil sie fürchtete, sich im Schlaf hinzulegen.
Tagsüber war das bis dahin muntere Kind verstimmt, appetitlos, wurde zunehmend apathisch und äußerte nur einen Wunsch, auf dem Schoß der Mutter zu sitzen. Dieser Zustand hatte ungefähr zehn Tage angehalten, als ich die Bekanntschaft des kleinen Mädchens machte. Sein intelligenter Gesichtsausdruck verriet, wie sehr es litt. Es war ein besonders gut gepflegtes Kind, in gutem körperlichen Allgemeinzustand; besonders gewandt und selbständig, auch manuell sehr geschickt. Dagegen schien es ein wenig in der Sprachentwicklung zurück zu sein, sprach noch in der dritten Person von sich, konnte noch keinen Satz formulieren, verständigte sich aber mit Hilfe einiger weniger Kinderworte gut mit seiner Umgebung, die ganz auf das Kind eingestellt war.