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„Die Liebesbedingung der Dirnenhaftigkeit des Objekts scheint einer Ableitung aus dem Ödipuskomplex energisch zu widerstreben“ (Freud, Beiträge zur Psychologie des Liebeslebens, Ges. Schr., V, 192). Das Paradoxon, daß Mutter und Dirne identisch sind, sucht Freud durch Vorgänge der Vorpubertät zu klären. Die Eröffnung und Erkenntnis, daß der Sexualverkehr auch zwischen den Eltern stattfinde, und die Aufnahme der Tatsache, daß Frauen den Geschlechtsverkehr gewerbsmäßig ausführen, werden in Zusammenhang gebracht in der Formel: „Meine Mutter ist auch nicht besser.“ Der Knabe beginne dann die Mutter im neugewonnenen Sinne zu begehren und den Vater aufs neue zu hassen; er gerate unter die Herrschaft des Ödipuskomplexes. Soweit bei Freud.
Ich meine nun, daß die Erkenntnis der Beziehung Mutter = Dirne einer Vertiefung fähig ist, und wurde durch folgendes klinische Material darauf aufmerksam. Ein Patient, der häufig Dirnen aufsuchte, hatte besonders in der Zeit nach der Pubertät während und nach dem Besuch eines Bordells folgende angsterfüllte Vorstellung: „Wie, wenn in der Zeit, die ich hier verbringe bzw. dort verbracht habe, ein Mord geschähe bzw. geschehen wäre, und ich, verdächtigt, müßte meine Unschuld durch ein Alibi beweisen! Ich könnte meine Unschuld niemals beweisen, weil ich doch nicht sagen darf, daß ich dort gewesen bin.“ Es war niemals ein anderes Verbrechen als ein Mord oder Raubmord. — Hier erscheinen deutlich die zwei Akte der Ödipustat in einem vereinigt. Während er mit der Mutter = Dirne verkehrt, geschieht ein Mord, wobei er keinen Beweis erbringen kann, unschuldig zu sein. Träume und anderes analytisches Material ließen den Ermordeten eindeutig als den Vater erkennen. Es enthielt also der Besuch bei der Dirne die Vatertötung in klassisch offener Weise. Und dieser paradigmatische Fall ließ mich denken, ob nicht regelmäßig in der phantasierten Dirnenhaftigkeit der Mutter und in der Mutterbedeutung der Dirne der Vatermord enthalten sei. Die Einführung eines