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Das vorliegende neueste Werk Malinowskis stellt eine ausführliche und unschätzbar wertvolle Ergänzung seiner bisherigen bekannten Arbeiten über die Organisation der mutterrechtlichen Stämme in Nordwestmelanesien dar. Es widersetzt sich infolge seiner Fülle an Material und fruchtbaren Gesichtspunkten einer kurzen inhaltlichen Besprechung. Das Studium dieses Werkes ist für jeden, der fachlich mit Sexualfragen klinisch oder soziologisch beschäftigt ist, unerläßlich. Wir wollen nur kurz die Komplexe von Tatbeständen herausheben, die unserer Ansicht nach dem Buche den Charakter eines Standardwerkes aufprägen.
Zunächst ist es das erste Werk in der ethnologischen Literatur, das über den Charakter des Sexualerlebens der Primitiven brauchbare Aufschlüsse gibt. Nicht zuletzt ist das dem Umstande zu danken, daß Malinowski von der in der ethnologischen Literatur sonst sehr häufigen moralischen Betrachtungsweise gründlich abrückt und den Primitiven durch volle Einfühlung zu begreifen sucht. Das intime Zusammenleben nicht mit — „Gewährsleuten“, sondern mit der Masse der trobriandrischen Bevölkerung eröffnete Malinowski Einblicke über die innere sexuelle Organisation hinaus in deren Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Organisation der mutterrechtlichen Gesellschaft, und dies ist der zweite Punkt, der sein Werk aus der Masse der ethnographischen Literatur heraushebt. Die wirtschaftliche Organisation wird mit einer Gründlichkeit beschrieben, die klar erkennen läßt, daß der Autor sich der fundamentalen Bedeutung der Wirtschaft und der gesellschaftlichen Organisation für das Verständnis der Bräuche und moralischen Satzungen voll bewußt war. Ohne zu wissen, wie sich der Autor zur Mutterrechtstheorie von Morgan und Engels stellt, darf man behaupten, daß sein Werk eine direkte Fortsetzung und Bestätigung dieser Theorie darstellt.
Das Buch wird zweifellos auch die psychoanalytischen Versuche in der Ethnologie entscheidend beeinflussen, indem es zu einer Kritik der reinen Deutungstechnik i