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Seit Freud seine ersten epochalen Entdeckungen publiziert hat, seitdem die Psychoanalyse der Öffentlichkeit zugänglich ist, war die neue Wissenschaft unaufhörlich Kritik und Angriffen ausgesetzt. In der Polemik gegen die Psychoanalyse sind alle Tonarten vertreten, von der wissenschaftlichen Sachlichkeit bis zum weltanschaulichen „Ärgernis“ und affektiver Ablehnung. Allmählich wurden die Einwände in der Diskussion erschöpft, neue Gesichtspunkte traf man immer seltener. Kunz gebührt das unzweifelhafte Verdienst, in die verödende Diskussion neue Aspekte hineingebracht zu haben.
Er betrachtet und kritisiert die Psychoanalyse aus der Perspektive eines philosophischen Lebensgefühls. Seine Terminologie, seine Begriffe sind stark beeinflußt von einer philosophischen Richtung, die durch die Namen Heidegger und Jaspers repräsentiert ist. Um es gleich vorwegzunehmen: nach der Überzeugung des Referenten mißversteht Kunz die Existentialphilosophie, wenigstens jene Form, die im Werk Heideggers niedergelegt ist. Kunz fühlt sich selber offenbar nicht ganz sicher in der Rolle des berufenen Interpreten der Existentialphilosophie.
Kunz stellt fest, daß in der Psychoanalyse „… die „Menschlichkeit“ des Menschen methodisch in einer Weise in Frage gestellt (wird), wie es bislang nur indirekt und unsystematisch in den Schriften eines Kierkegaard und Nietzsche geschah“. An der Wahrheit und Evidenz der Selbstbesinnung wird grundsätzlich gezweifelt und an ihre Stelle das gerückt, was man die „existentielle Bewährung“ nennen könnte: „Es geht nicht um das, was einer von sich weiß und aussagt und wie er sich selbst ‚deutet‘, — … sondern um das, was er ‚ist‘.“ Kunz fragt sich, ob er mit diesen Andeutungen nicht der Psychoanalyse Intentionen unterschiebt, die ihr selbst fremd sind. Und er glaubt, diese Frage bejahen zu müssen. denn „… von v. Hattingberg