You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Die Arbeit stellt eine klare Erwiderung auf die von Kunz in der gleichen Zeitschrift veröffentlichte existentialphilosophische Kritik der Psychoanalyse dar. Kunz meinte u. a. wieder einmal, der Analytiker begegne allen Einwänden mit dem Argument, es handle sich um „Widerstände“, und meine, dadurch der Aufgabe der sachlichen Prüfung der Einwände enthoben zu sein. („Widerstandsargument“.) Bernfeld zeigt nun, wie ungerechtfertigt ein solcher Vorwurf ist. Die Psychoanalyse habe Einwände immer geprüft und oft anerkannt. Andere Male mußte Nachprüfung manche Einwände auch ablehnen, ja, sie als besonders dumm, widerspruchsvoll oder dgl. erkennen. „Wenn wir angesichts der unbegreiflichen Unbelehrbarkeit eines gelehrten Mannes, angesichts der krassesten Widersprüche, in die wir manchen klugen und geschätzten Forscher verfangen sehen, angesichts häßlichsten Hasses, dem sich mancher sonst ruhige und freundliche Arzt hingibt, von Widerstand reden, so ist dies nicht zuletzt ein Versuch, Intellekt und Charakter des Gegners zu entschuldigen.“ — Außerdem verwechselt Kunz den Widerstand der Gesellschaft gegen die psychoanalytische Wissenschaft mit dem Widerstand des Patienten in der psychoanalytischen Kur. Demgegenüber belehrt ihn Bernfeld, daß es in der Kur nicht darum geht, den Patienten intellektuell von der Richtigkeit unserer Theorien zu überzeugen, sondern darum, ihm Erlebnisse seiner eigenen Seele zugänglich zu machen, gegen die er sich sträubt. Begeisterung für die psychoanalytische Lehre trete in der Kur als zu überwindender Widerstand mindestens ebenso oft auf wie Argumente gegen sie. Das gelte auch für die Lehranalyse, die ebenfalls nichts „einhämmern“, sondern die Fähigkeit des Schülers zum selbständigen Denken erhöhen will. Die analytische Deutung sei nicht eine Diagnose, von deren Richtigkeit der Patient überzeugt werden müßte, sondern ein Mittel, gerade in diesem Moment sich meldende Erlebnisse völlig bzw. in ihrer „Bedeutung“ bewußt werden zu lassen. Dafür, ob man die