You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Ich habe die Absicht, über eine kurze Phase gesteigerter Kastrationsangst bei einem kleinen 3 3/4 jährigen Jungen zu berichten. Da es nicht zu einer Analyse kam und Deutungen überhaupt nicht gegeben wurden, so muß ich mich bei der Schilderung und Auslegung zum größten Teil auf Vermutungen beschränken.
Um diese akute Steigerung der Kastrationsangst verständlich zu machen, werde ich einen kurzen Überblick über das Leben des Kindes vorausschicken. Das Kind ist das jüngere von zwei Geschwistern. Das um zwei Jahre ältere Kind ist ein Mädchen, hübscher, reifer und selbständiger als er. Sie ist eigentlich eine fertige kleine Persönlichkeit, er in viel ausgesprochenerem Maße ein Baby.
Die Mutter der Kinder war bei der Geburt des Jungen gestorben. Beide Kinder standen von diesem Tage ab unter der Obhut einer Kinderschwester, bis 3 1/2 Jahre später der Vater wieder heiratete. Die mütterlichen Verwandten wandten sich in weitgehendem Maße von dem Jungen ab, da sie in ihm die Todesursache seiner Mutter sahen. Um so mehr nahm sich die Kinderschwester seiner an. Sie schenkte ihm alle Liebe, deren sie fähig war, während sie die ältere Schwester merklich zurücksetzte. Für den kleinen Burschen war das zunächst wohl die günstigste Lösung. Aber als eine neue Mutter ins Haus kam, mußten sich daraus naturgemäß größere Schwierigkeiten ergeben. — Sehr bald nach der Wiederverheiratung des Vaters fiel an dem Jungen eine gewisse Gespaltenheit in seinem Wesen und seinen Wünschen auf. Einerseits benahm er sich wie ein ganz kleines Kind, das noch nichts