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Viele psychische Situationen, vor allem die für den Psychoanalytiker so wichtige Situation der Neurose, erklären sich durch das Vorhandensein eines Konfliktes zwischen Ich und einem libidinösen Triebanspruch des Es. Das Ich, der bewußtseinsnähere, organisierte Teil der Persönlichkeit, dem die Funktion der Realitätsprüfung zufällt, und der deshalb eine Gefahrsituation als solche beurteilen kann, hat sich gegen einen Triebanspruch gewandt, weil es die mit seiner Befriedigung für verbunden gehaltene Gefahr fürchtet. Es ist prinzipiell nicht sehr wesentlich, ob dieser Glaube an eine Gefahr objektiv begründet ist oder nicht; wesentlicher ist, wie ein solcher Glaube entstand. — Zwei Faktoren können dafür in Betracht kommen. Der eine ist die Erziehung und die durch sie vermittelten gesellschaftlichen Anforderungen, die die Triebbefriedigung verbieten und die Kastrationsangst des Kindes mobilisieren. Der zweite ist die physiologische Unzulänglichkeit des Kleinkindes, die es von den Personen der Umgebung abhängig macht, da es unfähig ist, seine Triebe selbst zu befriedigen, so daß der Trieb bei Ausbleiben der äußeren Befriedigungshilfe objektiv eine Gefahr wird. Die Frage ist nun, welchem dieser beiden Faktoren für das Zustandekommen der praktischen Situationen, die wir als „Konflikt zwischen Ich und Es“ bezeichnen, die größere Bedeutung zukommt. Die Entscheidung dieser Frage ist, wie Ref. an anderem Orte zu zeigen sich bemühen wird, von prinzipieller Bedeutung. Wir meinen, daß sowohl die analytische Erfahrung als auch die bisherige psychoanalytische Theorie eindeutig die durch die Erzieher gesetzten Triebverbote, die real erlebten Versagungen der Kinderjahre als das entscheidende Moment erkennen läßt. Miß Searl ist, wie sie unlängst in ihrer Arbeit „Die Gefahrsituationen des unreifen Ich“ ausgeführt hat, entgegengesetzter Ansicht und hält die biologisch bedingte Situation des Säuglings für die wesentliche Ursache von Entzweiungen zwischen Ich und Es. Diese Ansicht wird übri