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Jones liefert in dieser Arbeit eine überaus interessante psychoanalytische Untersuchung des amerikanischen Schachgenies des neunzehnten Jahrhunderts, Paul Morphy, der nach einem kurzen unerhörten Erfolgssturm die Schachkarriere aufgab und später psychotisch erkrankte. Es stellt sich heraus, daß nicht etwa die vielen Siege über die Meisterspieler, also ihre symbolische Tötung und Kastration, die unbewußten Schuldgefühle so weckten, daß sie weiteres Schachspiel verhinderten, sondern daß das Benehmen eines Mannes, den Morphy sich besonders zum Gegner wünschte, der aber einer solchen Begegnung auswich, die Schuld trug. Die unbewußte Feindschaft Morphys gegen seinen Vater mußte im Schachspiel zu einem freundlichen, ritterlichen, homosexuell erotisierten Spiel gemildert werden. Der Gegner aber, der am meisten Vaterrepräsentanz war, weigerte sich, an einer solchen Milderung teilzunehmen; er spielte nicht mit Morphy, sondern warf ihm in objektiv gänzlich ungerechtfertigter, unbewußt-subjektiv aber gerechfertiger Weise niedrige Gesinnung, Geldsucht usw. vor. Die nachmalige psychische Erkrankung Morphys gibt dem Psychoanalytiker viele Indizien dafür, daß dieses Erlebnis ausschlaggebende Bedeutung hatte. — Jones zieht dann aus dieser schönen Analyse einige Schlüsse auf die Psychologie des Genies überhaupt, das er durch eine besondere Fähigkeit charakterisiert sieht, Bedingungen zu entdecken, bei deren Einhaltung die unbewußten Schuldgefühle getilgt werden; die dabei erfolgende Sublimierung sexualisierter Aggressivität schütze das Ich vor den Gefahren der Libidostauung; der Ausdruck „Zusammenbruch einer Sublimierung“ meine nicht den Verlust einer Fähigkeit, sondern das Versagen dieser Schutzfunktion.
Fenichel (Berlin)