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Der komplizierte Problemkreis der Bisexualität, mit dem wir in der Psychoanalyse zu schalten pflegen, als ob wir ihn verstünden, ist noch sehr wenig untersucht und seit den „Drei Abhandlungen“ nicht mehr psychoanalytisch erörtert worden. Deshalb ist die vorliegende Arbeit von Bryan sehr dankenswert. Sie beschränkt sich allerdings nur auf eine Seite des Problemkreises, nämlich auf den Nachweis von psychosexuellen Erscheinungen des anderen Geschlechts bei normalen Erwachsenen, und läßt die interessanteren Fragestellungen, nämlich die nach den Beziehungen von psychosexueller und allgemein-biologischer (Max Hartmann) Bisexualität, und von Verhaltungsweise zur Objektwahl innerhalb der Psychosexualität (ein Mann kann feminin, aber heterosexuell, maskulin, aber homosexuell sein usw.) außer acht. Diesen beschränkten Nachweis versucht Bryan anatomisch und funktionell zu geben. Zur normalen Befriedigung des Mannes, meint er, gehöre auch die Reizung seiner in den tiefen Teilen der Urethra gelegenen femininen erogenen Zone, zur normalen Befriedigung der Frau die der Klitoris. Der Beweis für diesen letzten Umstand liege darin, daß man oft Frigidität ohne Berücksichtigung der psychologischen Faktoren durch Ratschläge betreffend die Koituslage unter Berücksichtigung der Mitreizung der Klitoris heilen könne. Die referierte Theorie von Narjani, nach der die Frauen frigid würden, bei denen die Entfernung von Introitus vaginae und Klitoris zu groß sei, scheint uns allerdings die psychoanalytischen Funde über die Ätiologie der Frigidität allzusehr zu vernachlässigen. — In funktioneller Hinsicht gelingt Bryan der Nachweis, daß Erregungsarten des anderen Geschlechts in den Vorlustmecha-nismen bei beiden Geschlechtern eine bedeutende Rolle spielen, wenn es auch einen etwas übertriebenen Eindruck macht, wenn die Sache so dargestellt wird, als ob der sexuell erregte Mann eigentlich zunächst eine Frau, die erregte Frau zunächst ein Mann sei, indem z. B. die Neigung des Mannes, zu küssen, als