You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Die Tätigkeit des Lesens, deren Pathologie dem Analytiker Gelegenheit zum Studium ihrer unbewußten Triebgrundlagen bietet, wird hier zum ersten Male einer systematischen psychoanalytischen Untersuchung unterzogen. Sie erscheint Strachey in erster Linie als Sublimierung — bzw. in pathologischen Fällen als ev. aus der Verdrängung wiederkehrende verschobene Äußerung — prägenitaler, vor allem oraler Objekttriebe. Dieses Resultat scheint jedem, der Lesehemmungen eingehend analysiert hat, sehr glaubhaft. Die vielen vom Autor zitierten Redensarten, die auf die orale Natur des Lesens hinweisen, möchte Ref. noch ergänzen, indem er an das bekannte Gedicht von Chr. Morgenstern erinnert, das beginnt:
Korff erfindet eine Mittagszeitung,welche, wenn man sie gelesen hat,ist man satt … usw.
Strachey weist weiter darauf hin, daß es sich beim Lesen wesentlich um die Verarbeitung oral-s adistischer Regungen handelt. Hier überwiegt — im Gegensatz zu dem sonst dem Lesen sehr verwandten Sprechen — das prägenitale Objektziel der Totaleinverleibung mit seinen zerstörerischen Impulsen. Die einverleibten Objekte — die gelesenen Worte — können dabei verschiedenes repräsentieren. Eine besondere Rolle nehme dabei der Kot ein, so daß das Lesen oft eine verschobene Art der Koprophagie bedeute. (Lektüre während der Defäkation!) Aber auch höhere genitale Objekte (Buch = Frau = Mutter) können in dem „Introjekt“ verdichtet erscheinen.
Fenichel (Berlin)