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Der Vortrag, der auf der Naturforscherversammlung 1931 gehalten, dann durch die Tagespresse geschleift wurde, ist jetzt als Broschüre erschienen. Bumke rühmt sich, die Psychoanalyse seit fast einem Menschenalter zu bekämpfen; man merkt aber nirgends, daß er etwa psychoanalytische Literatur gelesen hat, hingegen mit Leidenschaft, was gegen die Psychoanalyse geschrieben wird.
Wir wissen ja, daß die älteren Kliniker die Psychoanalyse nicht mehr kennengelernt haben, weil sie lange, geduldige Arbeit am Einzelkranken erfordert, für die sie die Zeit nie erübrigten. Mag aber von gewissen Aspekten her der Psychologie gegenüber ein „Ignorabismus“ am Platze sein; mit einem „Ignoramus“ kommt man gegenüber der Psychoanalyse nicht aus.
Was hören denn die Hörer von Professor Bumke Aufklärendes über die Neurosen?
Er lebt offenbar in altmodischen Anschauungen; in seinem Raume scheinen zwei Tableaux an der Wand zu hängen, in Perlen gestickt: eines mit der Inschrift „Glaube, Liebe, Hoffnung“ und das andere mit der Inschrift „Denken, Fühlen, Wollen“. So traditionell scheint seine Psychologie festzustehen, und so unmöglich scheint es ihm, daß ein Gelehrter nicht gottesgläubig ist.
Uns scheint dieser sein Vortrag ein Mißbrauch äußerer Autorität zu sein, denn er stützt sich nur auf Zitate, für die dem Autor keine Quelle zu seicht, keine zu schmutzig ist.
Der Satz, Freud habe die Probleme des Ichs und des Ideals aus seiner Lehre verbannt, wird — obwohl das gerade Gegenteil wahr ist — einfach übernommen! Für die Metapsychologie als eine Arbeitshypothese fehlt jede Einsicht. Volles Mißverständnis bringt Bumke dem Begriff des Triebes entgegen; als ob Freud nicht diesen Begriff als Grenzbegriff zwischen