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Nach Freud ist die Neurose das Resultat eines Konfliktes zwischen dem Ich und dem Es, die Psychose das eines Konfliktes zwischen dem Ich und der Realität: „Ich habe kürzlich einen der unterscheidenden Züge zwischen Neurose und Psychose dahin bestimmt, daß bei ersterer das Ich in Abhängigkeit von der Realität ein Stück des Es (Trieblebens) unterdrückt, während sich dasselbe Ich bei der Psychose im Dienste des Es von einem Stück der Realität zurückzieht. Für die Neurose wäre also die Übermacht des Realeinflusses, für die Psychose die des Es maßgebend.“ (9, S. .)
In folgenden Zeilen finden wir dies praktisch erläutert: „Ich will z. B. auf einen vor langen Jahren analysierten Fall zurückgreifen, in dem das in ihren Schwager verliebte Mädchen am Totenbett der Schwester durch die Idee erschüttert wird: Nun ist er frei und kann dich heiraten. Diese Szene wird sofort vergessen und damit der Regressionsvorgang eingeleitet, der zu den hysterischen Schmerzen führt. Es ist aber gerade hier lehrreich zu sehen, auf welchem Wege die Neurose den Konflikt zu erledigen versucht. Sie entwertet die reale Veränderung, indem sie den in Betracht kommenden Triebanspruch, also die Liebe zum Schwager, verdrängt. Die psychotische Reaktion wäre gewesen, die Tatsache des Todes der Schwester zu verleugnen.“ (9, S. .)
Versuchen wir an diesem theoretischen Beispiel der psychotischen Reaktion die vorhin zitierte Formulierung von Freud über den Unterschied zwischen Neurose und Psychose anzuwenden. Wir müssen sofort feststellen, daß die Leugnung des Todes der Schwester keine Befriedigung für das Es darstellt. Im Gegenteil, die Realität wird zwar verleugnet, doch befriedigt dies keineswegs den Triebwunsch, sondern es geschieht aus Triebabwehr-gründen,