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Ein in Anstalten teils als debil geführtes, teils wegen Stimmenhören auf Schizophrenie verdächtiges, sexuell verwahrlostes Mädchen wurde eines Tages in Stuttgart aufgegriffen, verstört und unverständlich sprechend. Die Polizei zog einen Kaufmann, der von orientalischer Herkunft und orientinteressiert war, bei, und auch eine rumänische Fürstin nahm sich ihrer an. Man hielt die geborene Schweizerin lange für eine Asiatin und zerbrach sich den Kopf über ihre Sprache. Hübsch und gut gekleidet, fand sie viel Interesse bei Herren und Damen. Verängstigt, alles um sie Gesagte, Vermutete und Geschehene zu ihren Gunsten benützend, pseudologisch-phantastisch redend, schlafsüchtig, depersonalisiert, Stimmen hörend, seit der Kindheit den Wunsch, ein Heidenmädchen zu sein, favorisierend — stellt sie dann tatsächlich ein „orientalisches Heidenmädchen“, das kein Deutsch versteht, durch Monate täuschend dar, betreibt einen Buddhakult u. dgl. Es ist wie eine „zweite Persönlichkeit“, aber durchsichtiger, naiver als bei Helene Smith (Flournoy). Wie leichtgläubig die Laienbeobachter, der Kaufmann und die Fürstin, gewesen sind, ist sehr lehrreich. Eine Buddha-Statuette sah die Patientin zum erstenmal im Leben in der Wohnung des Kaufmannes, der ihr durch Suggestivfragen weiter half; ihr Einfühlungstalent war allerdings sehr groß. Was der Patientin die Möglichkeit gab, die Rolle längere Zeit durchzuführen, war der Gebrauch einer selbsterfundenen Sprache. Das fließende Sprechen war eine Art Glossolalie; die Sprache hatte keine Flexion. Erstaunlich ist das Gedächtnis, mit dem sie einmal in bestimmtem Sinn gebrauchte Worte festhielt; allerdings widersprach sie sich manchmal. Daneben sang sie deutsche Gassenhauer und verriet sich gelegentlich durch deutsche Worte! Die Fürstin hatte oft den Eindruck, daß „die Fremde“ Deutsch recht gut versteht, aber die unverkennbare Neigung der Fürstin, Wunder zu finden, führte zu leichtgläubigem Getäuschtwerden. Die Sprachforscher waren verschiedener Meinung;