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Die kommunistische Presse versichert zwar, daß die „freudistische Verderbnis“ an den Grenzen der Sowjetunion Halt mache, aber es gibt genug Anzeichen dafür, daß auch in Sowjetrußland das Interesse für das Freudsche Werk tief und verbreitet ist und daß psychoanalytische Gesichtspunkte und Einsichten das Denken auch der Kommunisten beeinflussen. Den radikal eigenartigen Verhältnissen entsprechend, in denen sich in Sowjetrußland die Wissenschaft überhaupt entwickelt, sind die Formen der Resorption der Psychoanalyse eigenartig und erschweren das Urteil über die Bedeutung, die sie im sowjetrussischen Geistesleben gewonnen hat oder in Zukunft gewinnen könnte. Die Psychoanalytiker, die in Sowjetrußland leben, können die Aufgabe nicht erfüllen, die wirkliche Situation und ihre Chancen zu beurteilen; sie stehen mitten drin in den materiellen, politischen und geistigen Problemen des „sozialistischen Aufbaus in der Übergangsperiode“. Daß den emigrierten Psychoanalytikern ein zutreffendes Urteil nicht möglich ist, bedarf keiner Begründung. Die Psychoanalytiker, die Rußland bereisten, haben leider versäumt, diese Frage eingehend zu studieren. Sie berichten, etwa wie Fenichel,1 über russische Fürsorgeeinrichtungen, oder wie Reich2 — nicht überzeugend. Reich verspricht der Psychoanalyse den ganzen sozialistischen Kontinent der unbegrenzten kulturellen Möglichkeiten, wenn sie nur einige Verirrungen ablegt und wieder die „echte empirische klinische Wissenschaft“ wird. Immerhin läßt sich an Hand der vorliegenden gedruckten, deutschsprachigen Diskussion um die Psychoanalyse eine erste Orientierung gewinnen.