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Die Analyse eines depressiv hypochondrischen Patienten gibt Gelegenheit, Material zur Diskussion der Probleme des masochistischen Charakters beizubringen. Es handelt sich um einen 24jährigen Mann, der die Analyse als letzten Ausweg versuchte, nachdem er sich schon den verschiedensten anderen Therapien vergeblich unterzogen hatte. Er fühlte sich seit früher Kindheit schwer krank; er litt an zahlreichen, sehr intensiven Ängsten, deren Gegenstand letzten Endes immer eine Körperbeschädigung war. Unter dem Einfluß seiner religiösen Erziehung stand vor allem die Angst vor Höllenstrafen durch lange Jahre im Zentrum seiner Neurose. Tagelang pflegte er sich allein in seinem Zimmer aufzuhalten und sich die Qualen auszumalen, die ihn im Jenseits wegen seiner Sünden treffen würden. Er sah sich zerschnitten, verbrannt, vom glühenden Eisen durchbohrt, lebendig begraben, seine Phantasie war außerordentlich üppig im Erfinden raffiniertester Foltermethoden. Ähnliche Gefahren drohten ihm auch in verschiedenen anderen Formen von allen Seiten. Er fürchtete, von einem Auto niedergestoßen, zu Brei zermalmt, zum Krüppel gefahren zu werden; im dunklen Haustor lauerten Mörder, die ihn von hinten überfallen wollten; in jedem Augenblick meinte er, einem Herzschlag zu erliegen oder hinzufallen und die Halswirbel zu brechen. Diesen Ängsten gegenüber benahm er sich aber keineswegs wie ein Phobiker, der den Gefahren auszuweichen strebt, sondern er wühlte geradezu in ihnen, beschäftigte sich ununterbrochen mit seinem Zustand, grübelte unentwegt über sein Leiden, beobachtete seinen Körper und seinen Seelenzustand und war so sehr mit der eigenen Person beschäftigt, daß ihm die Beziehung zur Außenwelt fast völlig verlorenging. Dabei war sein Verhalten hypochondrisch und masochistisch zugleich. Wir wollen zunächst seine hypochondrischen Züge betrachten.
Wie bei so intensiven Kastrationsängsten zu erwarten stand, war das Sexualleben des Patienten völlig gestört. Bis zur Analyse hat er niemals mit einer