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Der Autor stellt die individualpsychologische Behandlung einer mit einigen Zwangssymptomen verbundenen Angstneurose dar. Das historische Material der Vorgeschichte des Kranken resümiert der Verfasser, wesentliche Situationen innerhalb der Behandlung gibt er stellenweise in Dialogform wieder. Die Darstellung erlaubt einen gewissen Einblick: 1) in die individualpsychologische Auffassung dieser Erkrankung, 2) in die Methode der individualpsychologischen Behandlung.
Der Autor sieht in dieser Angstneurose in erster Linie eine Fehlentwicklung des Charakters im Sinne einer mangelhaften sozialen Anpassung. Fragen nach der Genese dieser Charakterfehler werden aber nicht gestellt. Die Sexualablehnung des Patienten ist in der individualpsychologischen Betrachtung nur ein Teilstück der allgemeinen Sicherungstendenz, während sich in der Krankengeschichte an verschiedenen Stellen sehr deutlich zeigt, daß die Schwierigkeiten des Patienten in menschlichen Beziehungen auf Triebkonflikte zurückzuführen sind. Es ist der Auffassung des Autors zum Vorwurf zu machen, daß sie sich um die Symptome in ihren entscheidenden Einzelheiten nicht kümmert und sie ganz summarisch unter dem Titel „Flucht vor der Gemeinschaft“ zusammenfaßt. Solche Auffassung kann nicht verständlich machen, warum der Patient vor einem Ball flieht, dagegen nicht vor der Soldatengemeinschaft. Das Mißtrauen des Patienten gegen das andere Geschlecht, seine Neigung, Frauen ohne Gesichter, als Wesen ohne Individualität zu sehen, verraten die Angst und Feindseligkeit, die dem Kranken eine wirklich genitale Beziehung unmöglich machen. Aber der Autor projiziert diese genitale Entwicklungshemmung auf die Ebene seiner moralischen Weltanschauung. Das trägt ihm verständlicherweise von seiten des Patienten den Vorwurf ein, er sei ein Ethiker, ein „Kirchenvater“. Der Arzt verwahrt sich zwar dagegen und beruft sich auf biologische Gesetzmäßigkeiten, die seiner Auffassung zugrunde lägen. Aber diese Verwahrung wirkt wenig überzeugend, d