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Im Gegensatz zur recht zahlreichen psychoanalytischen Literatur zum Problem der partiellen intellektuellen Hemmungen1 gibt es bloß zwei Arbeiten zum Problem der Pseudodebilität: eine von Landauer („Zur psyohosexuellen Genese der Dummheit“, Almanach 1930, pg. 157 ff.) und eine von B. Bornstein. Landauers Arbeit ist allgemein gehalten und enthält — leider — keine Kasuistik. Berta Bornstein bringt eine ungemein interessante Analyse eines 12 ½jährigen pseudodebilen Mädchens, spricht die Vermutung aus, daß orale Elemente die entscheidende Rolle spielen, und gibt an, daß „der Weg der Erledigung von nicht klar durchschauten Störungen der oralen Phase abhing.“ Der erste Hinweis auf die Bedeutung der Oralität für die intellektuelle Sphäre stammt von Abraham (siehe Psychoanal. Studien zur Charakterentwicklung, pg. 49).
Ich analysiere seit zwei Jahren einen Patienten wegen Pseudodebilität, der ein Lebensmittelgeschäft mit anschließender Verarbeitung von Lebensmitteln gemeinsam mit seiner Mutter besitzt, und bei dem die orale Genese seiner Erkrankung sehr klar zutage tritt. Patient stammt aus einer Provinzstadt, war 23 ½ Jahre alt bei Beginn der Analyse und hatte auf dem intellektuellen, arbeitstechnischen, sexuellen und familiären Gebiete so große Schwierigkeiten, daß er sich — spontan— entschloß, die Analyse aufzusuchen. Patient war seit dem vor einigen Jahren erfolgten Tode des Vaters offiziell Betriebsleiter im Betrieb seiner Mutter. In Wirklichkeit kümmerte er sich überhaupt nicht um den Betrieb, ließ alles drunter und drüber gehen, arbeitete wie ein manueller Arbeiter in einem streng abgeschiedenen Kammerl, vermied es, mit den Arbeitern auch nur zu sprechen, war unfähig, auch nur den kleinsten Auftrag zu erteilen, errötete wie ein Bub und verlor den Kopf, wenn eine Frage gestellt wurde.