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Das gesamte Wirken der Psychoanalyse bemüht sich, das psychische Geschehen naturwissenschaftlich zu erfassen. Sie stellt sich damit in Gegensatz zu allen jenen Psychologien, die die psychischen Erscheinungen als etwas allem Biologischen qualitativ entgegengesetztes „Metaphysisches“ auffassen, das nur „erfühlt“, nicht aber mit „nüchterner“ naturwissenschaftlicher Forschung eingefangen werden könnte. Dieses Wirken der Psychoanalyse wird gerechtfertigt durch ihre Erfolge, durch den Aufbau der psychoanalytischen Psychologie. Wenn nun manche Autoren bei der Verteidigung alter metaphysischer, bezw. religiöser Ansichten psychoanalytische Terminologie benützen, so ändert das nichts daran, daß die Psychoanalyse schon ihre Existenz und jedes einzelne Forschungsresultat als ein Argument gegen jene Ansichten betrachten muß, und daß sie auch mit der psychoanalytisch eingekleideten Metaphysik oder Religion nichts anderes anfangen kann, als was sie sonst mit Metaphysik und Religion anfängt: sie, insoferne sie sich in der Seele des Einzelmenschen abspielen, zum Gegenstand ihrer wissenschaftlichen Forschung zu nehmen.
Die tiefsten Schichten der Seele sind nach Neugarten „metaphysisch“ und der Psychologie unzugänglich, besonders die Erlebnisse der Schuld und des Soll. Das wird etwa so bewiesen: Weil manches Ichideal dem Vorbild des Vaters gleicht, manches gerade dem Gegensatz des Vaters entspricht, so meint Neugarten: „Ob das Kind nun die Identifizierung oder Differenzierung wählt, hängt ganz von seiner eigenen Persönlichkeitsstruktur ab. Wenn das Kind eine solche Wahlmöglichkeit hat, so ist damit ja gerade seine Unabhängigkeit von seinem biologischen Umkreis erwiesen.“ Oder es wird erst gar nicht „erwiesen“, sondern diktatorisch gesetzt: „Die sogenannte Sublimierung, die der Mensch vornimmt, ist ein Urphänomen; sie ist durch keinerlei historische Entwicklung erklärbar.“ Deshalb sei die Neurose eine religiöse Erscheinung, Krankheit gleich Schuld. Was für eine Therapie kann eine solche