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Es ist ein seltener Genuß, den Ausführungen zu folgen, die die bewährte Freundin und Mitstreiterin Freuds in diesem Werke niedergelegt hat. Es liest sich wie eine heilige Disputado über die letzten Dinge, in die einzudringen die Gefährtin Nietzsches und Rainer Maria Rilkes wohl berufen ist. Auch liegt etwas vom Zauber platonischer Dialoge über dem Ganzen und weckt Erinnerungen an die Unterredung von Sokrates mit Diotima, der Frau aus Mantineia.
Vielfältige Kontrapunktik, die in jedem Satze bereits Gesagtes anklingen läßt oder erst später zu sagende Dinge vorausnimmt, macht die Lektüre zu einer anziehenden aber auch äußerst anspruchsvollen. Das, was die Philosophie im Begriff der „Monade“ zusammengefaßt, diese Allbezogenheit und Spiegelung des Ganzen im einzelnen, tritt uns hier als lebendige Aufgabe entgegen, so daß das Verständnis fürs Ganze vorangehen muß, wenn man die einzelnen Abschnitte voll verstehen will.
Leicht macht es uns die Autorin wirklich nicht. Der Leser muß tüchtig im psychoanalytischen Gebiete bewandert sein, um die tausend Anspielungen und Vergleiche aushalten zu können. Mit erstaunlicher Vielseitigkeit und oft erquickender Keckheit springt sie vom subjektiv Intimsten zu den härtesten Problemen objektiven Geistes, um mit Hegel zu sprechen.
In neun Abschnitten, als ob die heilige Zahl, der Schwangerschaftsmonate oder die Zahl der Musen Griechenlands geehrt werden sollte, wird der ganze Umkreis psychoanalytischen Denkens umspannt und gemeistert. Die Frucht intimster Zusammenarbeit mit Freud über ein Vierteljahrhundert, mit vielen persönlichen Reminiszenzen, liegt vor uns, ein ganzes Stück Geschichte psychoanalytischer Bewegung, die gerade uns Jüngeren so wichtig ist, um zu erfahren, wie die Psychoanalyse allmählich geworden ist. Temperamentvoll bewahrt sie ihre eigenen Auffassungen in Gebieten, die ihr persönlich nahestehen, und macht aus ihren Ketzereien keinen Hehl. Letzte Intuitionen, die ihr als offenbares Geheimnis nicht mehr auflösbar erscheinen,