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Die Folgerungen Freuds aus der bisexuellen Veranlagung des Menschen warnen uns davor, eine zu schematische Gegenüberstellung der Weiblichkeit der Frau und des Männlichseins des Mannes vorzunehmen. Wir wissen, es gibt keinen Mann, der nicht neben den männlichen Zügen seines Wesens mehr oder weniger deutlich feminine Merkmale aufzuweisen hätte, ebensowenig gibt es Frauen, in deren Seelenleben maskuline Tendenzen fehlten. Obwohl es unverkennbar ist, daß auch schon der Körper bei beiden Geschlechtern ein Nebeneinander von männlichen und weiblichen Merkmalen aufweist, so fällt doch beim tiefenpsychologischen Studium sofort ins Auge, daß im Psychischen die Wirkungen der bisexuellen Veranlagung bedeutend weitertragend und gewichtiger sein können und es in der Regel auch sind. Es scheint, als ob der Körper sich mit Rudimenten des Andersgeschlechtlichen begnügt, während im Seelenleben Raum bleibt für eine mehr oder weniger weitgehende Entwicklung des Gegengeschlechtlichen. Jedenfalls zeigen uns unsere analytischen Erfahrungen, wieviel feminine Züge der Mann auf seinem seelischen Entwicklungsweg zu überwinden hat, wieviel männliche Tendenzen die Frau in ihrer psychischen Entwicklung zur Weiblichkeit zu stören vermögen, während die Anwesenheit von Rudimenten der gegengeschlechtlichen Sexualorgane nur in den seltenen Fällen von Hermaphroditismus die körperlichen Funktionen von Zeugung und Fortpflanzung beeinträchtigt. Es ist Aufgabe der Biologie, uns zu zeigen, welche Prozesse oder welche Kräfte die Differenzierung der Geschlechter in der embryonalen Entwicklung bewerkstelligen. Ebenso ist es Aufgabe jener Wissenschaft, die organischen Grundlagen der