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In der großen Wiener Onaniediskussion vom Jahre 1912 wird die Onanie des weiblichen Kindes, und zwar sowohl ihre körperliche Manifestation wie die mit ihr verbundenen psychischen Erscheinungen, von allen Analytikern nur ganz oberflächlich in Parallele mit der des männlichen Kindes erwähnt; die Klitoris wird als Penisäquivalent aufgefaßt, wie dies von Freud2 schon im Jahre 1905 festgestellt wurde.
Nicht grundlos scheint daher der Vorwurf Karen Horneys3: „Wie alle Wissenschaften, wie alle Wertsetzungen war auch die Psychologie der Frau bisher nur vom Manne aus gesehen.“ Anscheinend können die Analytiker von ihrer Männlichkeit bei der Beurteilung der Psychologie des Weibes nicht genügend abstrahieren, und sie arbeiten unwillkürlich mit Projektionsmechanismen: ist der Penis das höchste lustspendende Organ für den Mann, so muß die Klitoris, als Penisäquivalent aufgefaßt, dieselbe leitende erogene Zone für das weibliche Kind repräsentieren. Wirkt die Winzigkeit der Klitoris und die Kompliziertheit des weiblichen Genitales auf das männliche Kind fremdartig, abstoßend, so muß sie dieselbe Wirkung auf kleine Mädchen ausüben. Ist die penislose Frau mit diesem in der Tiefe der verwirrenden Vulva versteckten dunklen Rohr ein Horror für den Knaben und Neurotiker, so muß es auch für das kleine Mädchen so sein. Das ist es aber nicht! Schon ganz oberflächliche theoretische Überlegungen können uns davon überzeugen: i. Dem gesunden weiblichen Kind kann der eigene Körper nie etwas Schockartiges, Unheimliches, Verwirrendes bedeuten. Das kleine Mädchen macht allmählich,