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Der 19 jährige Student J. S. wurde von einem Provinzspital mit der Diagnose „Dementia praecox“ der Universitätsklinik übergeben. Er war interniert worden, nachdem er gegen seinen Vater aus einem nichtigen Anlasse tätlich geworden war. In der Klinik zeigte sich der Patient ruhig und geordnet, sein Intellekt war ungestört und auch somatisch ergab sich kein nennenswerter Befund. Bei seiner Einlieferung litt er unter anderem an einer Gesichtshalluzination. Er sah ständig weiße, sich bewegende Schleier. Ferner hatte er das Gefühl, daß auf seinem Gesichte eine schmutzige Substanz sich befinde. Diese Substanz war Speichel oder Nasenschleim, manchmal auch menschlicher Samen. Sobald er daran dachte, daß sein Gesicht unrein sei, verstärkte sich die Gesichtshalluzination. Später trat noch Erröten, Blutandrang nach dem Kopfe hinzu. Ein besonderer Anlaß zu starker sexueller Erregung war es für ihn, wenn er rote Damenhöschen erblickte.
Die psychoanalytische Untersuchung konnte den Fall nicht restlos klären, weil sie aus äußeren Gründen vorzeitig abgebrochen werden mußte; doch ergab sie mitteilenswerte Resultate.
Der Patient ist das erste Kind seiner Eltern; sein Vater war Erzieher an einer höheren Lehranstalt und führte ein Leben nach streng geregelten Prinzipien. Die Mutter war eine etwas eitle und putzsüchtige Frau, die nach der Meinung des Patienten ihre Pflichten als Erzieherin der Kinder arg vernachlässigte. Die Ehe seiner Eltern war nicht gut, es gab immer Zwistigkeiten wegen der Pflege der Kinder. Die Differenzen arteten manchmal derart aus, daß der Vater die Mutter schlug. Patient selbst empfand für seinen Vater stets Verehrung, für die Mutter stets Verachtung, da er sie für pflichtvergessen hielt. Eine gewisse Verachtung behielt er gegen alle Frauen: er rationalisierte dies damit, daß Frauen überhaupt mehr Interesse ihrer eigenen Schönheit zuwenden als ihren Kindern. Gegen die Mutter empfand er eine Wut, die nur schlecht verdrängt war. Als der Patient die Verhaältnisse