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Dieses Referat vom 5. Kongreß für Psychologie (August in Kopenhagen) stellt eine sorgfältige, um Vollständigkeit bemühte Arbeit dar, die ihre Differenzierung der Einzelmethoden gewissermaßen selbst desavouiert, indem sie am Schlüsse als letzte übergreifende methodologische Aufgabe der Pathographie die Forderung sich ergeben sieht, „die Einzelmethoden in richtiger Weise, das heißt dem Fall angemessen, am richtigen Ort, im richtigen Umfange und in richtiger Reihenfolge jeweils einzusetzen“. Womit ja dem subjektiven Ermessen des Pathographen, seinem Verständnis, seinem Instinkt, seinem Unbewußten das Wesentliche überlassen bleibt. Der psychiatrische Biograph sollte sich auch — idealerweise — jeder wertenden Stellungnahme enthalten: es ergibt sich aber, daß „die werturteilsfreie Betrachtung kaum möglich ist.“
Als junge Wissenschaft stehe die Pathographie, ein Zwischengebiet zwischen Medizin und Psychiatrie einerseits, Psychologie und Geisteswissenschaften anderseits, noch in methodologischer Beziehung ungefestigt da, sie sei und bleibe eine einseitige, eine begrenzte Betrachtungsweise. Drei wunde Punkte aller Pathographik werden angeführt: 1. Das Mißverhältnis zwischen den hohen Forderungen, die sie an die kultur- und geistesgeschichtliche Einsicht ihrer Bearbeiter stellt, und dem begrenzten Verständnis für kulturell und geistig fremde seelische Erscheinungen, mit dem der nur auf pathologischem Gebiet Geschulte an sie herantritt; 2. daß der psychiatrische Pathograph der Aufgabe kaum je voll gewachsen ist, das Verfahren der sinnhaften Deutung der pathologischen Kundgebungen und Schöpfungen aus der abnormen Geistigkeit der Persönlichkeit und ihrem Zusammenhang mit der objektiven geistigen Welt in Anwendung zu bringen, so daß nur der Ausweg erübrigt, daß man speziell diesen spezifisch geisteswissenschaftlichen Teil der Pathographie einem geisteswissenschaftlichen Sonderbearbeiter überläßt; 3. endlich, daß jene phänomenologische Betrachtungsweise (Jaspers, Kronfeld), welche