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Wenn es jemand unternimmt, die Arbeit eines Forschers zu besprechen, so soll er das Werk, die Frucht vieler Jahre, mit Ehrfurcht behandeln, wenn auch dabei die Stimme des Einwandes nicht ganz verstummen darf.
Hermann Nunberg hat sich in seiner allgemeinen Neurosenlehre die Aufgabe gestellt, die psychoanalytischen Einsichten über die neurotischen Erkrankungen zusammenhängend darzustellen. Die Arbeit wuchs aus Vorlesungen über allgemeine Neurosenlehre heraus, die der Autor im Auftrage des Lehrausschusses der Wiener psycho analytischen Vereinigung durch mehrere Jahre gehalten hatte.
Das Ausgangsmaterial der Darstellung stammt aus den zahlreichen Krankengeschichten aus der Praxis des Autors, die psychoanalytischen Begriffe von Freud. In ernsthafter Arbeit hat der Autor die „Anstrengung des Begriffes“ auf sich genommen und die bunte Welt der Erfahrung den strengen Gesetzen wissenschaftlichen Denkens unterworfen. In scharfgeschliffener Dialektik spiegelt sich die Psychoanalyse Freuds. Etwa 70 Beispiele sind in den Text eingestreut und vertiefen den Eindruck, daß andauernd aus der Erfahrung geschöpft wird. Leicht ist die Lektüre nicht und setzt gründliche Kenntnisse in der speziellen Neurosenlehre voraus. „Wer aber wissenschaftliches Denken bevorzugt und wer die schöne Mannigfaltigkeit des psychischen Geschehens genießen kann, der wird dieses Werk schätzen und eifrig studieren“ (Geleitwort von Freud).
Der äußere Gang der Darstellung ist kurz folgender: In Kapitel I und II wird die Lehre vom Unbewußten entwickelt, Kapitel III bringt eine umfassende Darstellung des Trieblebens, Kapitel IV fügt die Psychoanalyse des Ichs und des E s an. Etwas kursorisch folgen ein Kapitel über die Aktualneurosen und ein Kapitel über Angst. Dann kommen die beiden Hauptkapitel über die Abwehrvorgänge (Kapitel VII) und den Krankheitsprozeß (Kapitel VIII), welchen ein Abschnitt über die Verursachung (Kapitel IX) und einer über die theoretischen Grundlagen der psychoanalytischen Therapie (Kapitel X)