You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
gehalten in der Deutschen psychoanalytischen Gesellschaft am 13. Dezember 1932.
In der Allgemeinpraxis wurde ich im November 1926 zu einer 58 jährigen Portiersfrau wegen angeblichen Schlaganfalles mit Lähmungen der linken Körperhälfte, starken Schmerzen, besonders im Arm und der Herzgegend, Blindheit und Verlust des Geruchssinnes gerufen. Die Untersuchung ließ alle Erscheinungen als hysterische Konversionen erkennen. Da die unerträglich schmerzhaften Paraesthesien sofortiges Eingreifen verlangten, versetzte ich sie in tiefe Hypnose, was leicht gelang, zunächst nur zwecks suggestiver Beeinflussung. Dadurch konnten die Schmerzen, die Amaurose und der Geruchsverlust in der ersten Woche beseitigt werden, allerdings unter Neigung zu Rezidiven. Einerseits die Empfänglichkeit für tiefe Hypnose, anderseits die aus dem Lebensalter und dem niedrigen Bildungsgrade der Patientin sich ergebende Unmöglichkeit einer Psychoanalyse bewogen mich zu dem Versuch einer Katharsis nach dem alten Breuer-Freud sehen Muster. Hierbei kam im Laufe des nächsten halben Jahres eine ungeheure Anzahl von Erlebnissen und eingeklemmten Affekten zum Vorschein, die ganz wie bei der alten Katharsis mimisch und dramatisch dargestellt wurden und von der Gegenwart bis in die frühe Kinderzeit zurückreichten. Z. B. wurde ein 53 Jahre zurückliegender Ödipustraum aus dem sechsten Lebensjahre neu erlebt. Eine zehn Jahre zurückliegende Erfrierung beider Unterschenkel wurde für einen aktuellen Zweck reproduziert.
Das Besondere des Falles liegt aber darin, daß es nicht, wie bei der alten Katharsis, bei einer kaleidoskopartigen Aneinanderreihung von Erlebnissen mit dem Ergebnis der Beseitigung von Symptomen sein Bewenden hatte, sondern