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Meng geht von der Voraussetzung aus, daß es kein psychisches oder medikamentöses Eingreifen gibt, das imstande ist, eine bestimmte Krankheit mit Sicherheit zu
heilen. Es handle sich bei dem Versuch zu heilen darum, das Zusammenwirken von Leiblichem und Seelischem bei der Symptomgestaltung zu durchschauen, und vor allen Dingen darum, den Widerstand, der dem natürlichen Heilungsprozeß widerstrebt, zu erkennen, zu bewältigen und auszunutzen. Körperliche und seelische Behandlung des Menschen können also als Versuch einer Widerstandsbehandlung aufgefaßt werden. Der schwierigste Teil des Widerstandes gehe von der Konstitution aus. Das Wissen über die Beziehung zwischen Konstitution und Arzneiwirkung sei gering und am fruchtbarsten erwiesen sich auf diesem Gebiet die Theorien von Hahnemann, der den Organismus als ein Energiewechselsystem auffaßt. Versuche von Dallner, der Neurotiker mit kleinen Jod-Thyreoidendosen behandelt, lägen in dieser Richtung. Versuche, mit bestimmten Arzneistoffen Angst hervorzurufen und Angst zu bekämpfen, lassen es z. B. als möglich erscheinen, zu einer somatischen Angsttherapie zu gelangen. — Die Frage der psychischen Umstimmung des Organismus sei nur durch die Anwendung der Psychoanalyse zu lösen, das heißt, soweit eine Erkrankung von der psychischen Seite her angehbar ist, wird nur die Analyse imstande sein, die unbewußten Mechanismen zu durchschauen und die psychischen Widerstände zu beseitigen. — Die Frage einer kombinierten Therapie sei noch nicht spruchreif.
K. Misch-Frankl (Berlin)