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Der Autor weist unter Zitierung der psychoanalytischen Bemerkungen über Spermatorrhöe mit Neurasthenie (Reich, Schilder) auf alle Fälle hin, die ohne neurasthenische Symptome verlaufen. Psychologisch bedingte Mißbräuche, wie frustrane Erregungen, Surmenage
mit folgender Abstinenz, mögen das — sonst nur durch Sexualerregung und Friktion zeitweilig zur reichlichen Entleerung von Sexualsekret geöffnete — Ventil undicht gemacht haben, so daß das Sexualsekret bei jeder banalen Stuhl- oder Urinentleerung tropfenweise abgeht.
Aber dieser in seinem Entstehungsmechanismus nicht eben klare Zustand der Spermato- und Prostatorrhöe kann eine längere Dauer erst dadurch gewinnen, daß die psychische Einstellung des Betroffenen narzißtisch geworden ist: daß er sich vom Sexualobjekt abgewendet hat, z. B. durch Enttäuschung oder Haß oder aus Gründen der Selbstbestrafung oder der Entwertung der Sexualität, enthaltsam leben will und von dem sang- und klanglosen Abgang seines Samens nicht unbefriedigt ist. Unbewußte feminine Einstellung verzichtet auf jede Aktivität auf sexuellem Gebiet. Manchmal schließen sich hypochondrische, der Kastrationsangst angehörige Gefühle an.
Obstipation mit starkem Pressen zum Stuhl, auch Pressen beim Urinieren werden sonst als hinreichende Ursache des Samenabganges bei den Entleerungen angenommen, aber beim Gesunden ist solches Pressen nie von Samenabgang gefolgt. Andere Patienten scheinen oft durch nächtliches Auf-dem-Bauche-Liegen chronische Ersatzerregungen zu betreiben.
Jedenfalls handelt es sich bei der Sperma- und Prostatorrhoe um einen Zustand, der durch Psychoanalyse mit Aufklärung zu heilen ist und nicht etwa durch physikalische Mittel.
Die narzißtische Regression, in der die Störung zustande kommt, kann in manchen Fällen auch einen psychotischen Grad angenommen haben.
Autoreferat