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„Schock“ ist der Vernichtung des Selbstgefühls gleich — der Fähigkeit, Widerstand zu leisten und zur Verteidigung des eigenen Selbst zu handeln und zu denken; vielleicht geben auch die Organe, die die Erhaltung des Selbst gewährleisten, ihre Funktion auf, oder vermindern sie aufs äußerste. (Das Wort „Erschütterung“ kommt von „Schutt“, umfaßt Unsolidwerden, die eigene Form verlieren, aufoktroyierte Form leicht und widerstandslos annehmen, „wie ein Sack Mehl“.)
Erschütterung kommt immer unvorbereitet. Ihr muß ein Gefühl der Selbstsicherheit vorausgegangen sein, in der man sich infolge der Ereignisse enttäuscht fühlt; vorher hat man sich und der Umwelt zu sehr getraut, nachher zu wenig oder gar nicht. Man muß seine eigene Kraft überschätzt und im Wahne gelebt haben, daß solches nicht geschehen kann, „nicht mir“.
Eine Erschütterung kann rein physisch, rein moralisch oder physisch + moralisch sein. Die physische ist immer auch moralisch, die moralische kann ohne jede physische Zutat Schock erzeugen.
Das Problem ist: gibt es im Falle der Erschütterung keine Reaktion (Abwehr) oder erweist sich der momentane transitorische Abwehrversuch so schwach, daß er sofort wieder aufgegeben wird? Unser Selbstgefühl ist geneigt, der letzteren Möglichkeit den Vorzug zu geben; eine widerstandslose Nachgiebigkeit ist schon in der Vorstellung unannehmbar. Auch sehen wir, daß in der Natur auch der Schwächste noch einen gewissen Widerstand